Montag, 5. Juli 2010

Habicht-Fazit

Ein Musikkritiker äußert angesichts der neuen Hawks-Platte: „Wenn Zeus eine Rockband sein wollte, wäre er Hawkwind“. Welch weises Wort.
Die bisherigen Reaktionen sind positiv und loben vor allem die schiere Vielzahl der Sounds und Scapes. Manche sprechen gar von unbedingter Liebe schon nach dem ersten Hören. Nach etwa fünfundzwanzigmaligem Durchhören neige ich dazu, zwei Tracks zu skippen, die beiden Neuaufnahmen älterer Songs nämlich, und mich beim Rest bis zur Auflösung des eigenen Persönlichkeitskerns in Quantenschaum zu verflüchtigen. Mission accomplished, Hawks!
Nachdem ich mich wieder verfestigt habe, behauptet die Gattin, ich hätte unaufhörlich „I will become master of the universe!“ geschrien und in unserer Wohnung hätte sich kurzzeitig ein Wurmloch zur Halle der Götter geöffnet.

Nachtrag 15.7.
Die Gemeinde war schon ziemlich unruhig und maulig wegen der Lieferschwierigkeiten, aber nun sind alle drei Versionen des Albums unters Volk gebracht. Sogar bei mir ist die 2-CD-Version aus UK angelangt, in einem prächtigen Package und mit CDs, die aussehen wie Miniatur-Vinyl-Platten. Wunderhübsch. Ich weiß nicht, woran es liegt, aber der Sound des Kernalbums ist um einiges fetter als der der MP3s; dachte schon, während meiner kurzen Abwesenheit hätten Gemahlin oder Katze irgendwas an der Stereoanlage verstellt. Haben sie aber nicht.
Etwa eine Viertelstunde der Bonus-CD ist überflüssig. Die Live-Coverversion von Syd Barretts „Long Gone“ war nicht zwingend nötig, der Track, der mit „Interview 2010“ betitelt ist, stellt eher einen Witz dar: Ziemlich zugekiffte Typen, in denen man die Bandmitglieder erkennt, plappern und kreischen durcheinander, während sie von unterschiedlichsten Sounds umspielt oder zugedröhnt werden. Interview geht anders im Rest der Welt, aber wer will den schon, den Rest der Welt? Die „seriösen“ Live-Tracks haben es in sich, und vor allem „Levitation“ und „Angels of Death“ präsentieren die fettesten und lautesten Gitarren, über die diese Band jemals verfügte. Robuster Space-Metal, verspielt und jammig. Diese Bonus-Tracks korrigieren den insgesamt eher ruhigen, relaxten Eindruck des Kernalbums.
Ereignisreich, beweglich, teamorientiert. Gutes, fettes Paket!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen